Paukenschlag vor dem Landgericht Münster: Am Dienstagmorgen ist ein Verteidiger während eines Steuerstrafprozesses festgenommen worden. Dem Anwalt wurden noch im Gerichtssaal Handschellen angelegt. Er soll versucht haben, einen Zeugen zu schmieren.
Es ist punkt 9.44 Uhr, als sich Oberstaatsanwalt Neuschmelting mit diesen Worten an den Verteidiger wendet: „Ich nehme Sie vorläufig fest. Ziehen Sie bitte die Robe aus.“
Kurz drauf treten die Wachtmeister vor und legen dem Anwalt Handschellen an. Die im Zuschauerraum sitzende und völlig überraschte Ehefrau muss mit ansehen, wie ihr Mann anschließend abgeführt wird und auch sein Handy abgeben muss.
50.000 Euro für Falschaussage?
Hintergrund: Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der Verteidiger nach dem letzten Verhandlungstag versucht hat, einen Zeugen zu schmieren. Angeblich soll er dem Mann für eine Falschaussage 50.000 Euro geboten haben. Der Zeuge hatte sich jedoch an die Staatsanwaltschaft gewandt.
Neuschmelting: "Es besteht der dringende Tatverdacht der versuchten Strafvereitelung und der versuchten Anstiftung zur Falschaussage."
Im Prozess geht es um angeblich illegale Machenschaften auf einem Schrottplatz in Münster. Den drei Angeklagten werden umfangreiche Schwarzgeld-Geschäfte vorgeworfen. Der Steuerschaden soll in die Millionen gehen.